Samstag, 27. Juni 2015

[Rezension] Kim Kestner - Zeitrausch, Spiel der Vergangenheit

Verlag: Im.Press (Carlsen)
Seiten: 287 Seiten oder 4284 Positionen
Reihe: Zeitrausch, Band 1
Kauf: Kindle

Inhalt

Es sollte ein gewöhnlicher Sommerferientag werden. Ausschlafen, frühstücken, vom kleinen Bruder genervt werden, die Sonne genießen. Doch dann muss die siebzehnjährige Alison feststellen, dass ihr Bruder verschwunden ist. Schlimmer noch, es hat ihn nie gegeben - zumindest nicht in dieser Realität. Und damit beginnt das Spiel: Im Rausch durch die Zeiten, vor Millionen von Zuschauern und einer unerbittlichen Jury bekommt Alison die Aufgabe, die Vergangenheit so zu korrigieren, dass sie wieder in ihre ursprüngliche Gegenwart zurückkehren kann. Eine Aufgabe, die Alison durch sämtliche Jahrhunderte führt, vor unmögliche Herausforderungen stellt und viel schwieriger ist, als sie es sich jemals vorgestellt hat. Gerade mit dem geheimnisvollen Kay an ihrer Seite, der sie viel besser kennt, als es eigentlich sein sollte...

Meine Meinung

Allgemein

Als ich das Buch begonnen habe, hat es mich doch sehr "Die Tribute von Panem" erinnert. Nur, dass das ganze Auswahlverfahren übersprungen wurde. Nach einer kurzen Einweisung in die Geschichte, in der Alison merkt, dass ihr Bruder aus ihrem Leben "gelöscht" wurde, landet sie in einem Raum. Denn sie wurde auserwählt, um an den Spielen der Reality Show "Top the Realities" mitzuwirken.
In besagtem Raum wird sie zurecht gemacht. Hübsch für die Bühne. Hübsch für das Spiel. Die erste Parallele zu Panem. Sie bekommt einen sogenannten "Marker" in die Haut implantiert. Zweite Parallele. Dadurch kann sie geortet werden. Zudem wartet auf der Showbühne ein ausgefallener, bunter Moderator - welcher mich durch und durch an Caesar Flickerman erinnerte.
In Panem können die Zuschauer entscheiden, wie schwer es die "Spieler" haben, indem sie ihnen Geschenke schicken, welche sie voran bringt oder eben gar keine. In "Zeitrausch" stimmt das Publikum einfach über die Schwierigkeit ab.
Ab diesem Punkt fangen jedoch die ersten Ungereimtheiten an und das Buch beginnt einen eigenen Stil anzunehmen. Den es geht in keine Arena. Es geht ab in die verschiedenen, vergangenen Dimensionen des Lebens von Alison Hill.
Das Buch fängt nun an sehr komplex zu werden. Die Autorin hat sich sehr viele Gedanken um die ganzen Dimensionen gemacht und wie diese zusammenhängen könnten und welche Auswirkungen diese haben. Jedoch versemmelt Alison den Versuch, ihren Bruder zurückzuholen und so wird sie immer weiter zurück in die Vergangenheit geschickt, um ihre Fehler wieder gut zu machen. Ab dem Punkt wurde für mich wieder unrealistisch, denn die Autorin schreibt, dass mit jeder Entscheidung mehr und mehr Dimensionen sich abzweigen, in denen alles anders läuft. Doch Alison gelangt immer wieder in scheußliche Realitäten zurück. Geplant oder Schicksal? Das wird nie geklärt. Alison könnte genauso gut in gute Realitäten zurückkehren, auch wenn es nicht ihre ist.
Auch das Ende lässt mich mit vielen Fragen zurück. Die Autorin hat sich ein gutes Finale ausgedacht, doch wie Alison selber im Buch sagt: Die Angestellten der Show können in der Zeit zurückspringen und ihre Fehler beheben. Doch Alison können sie von ihrem Vorhaben nicht abhalten. Doch warum?

Charaktere

In erster Linie gibt es zwei Hauptchraktere: Kay und Alison. Beide sind Teil der Reality Show und reisen zu zweit durch die Zeit.
In diesem Buch ist Alison frisch in der Show gelandet, während Kay schon einige Jahre dabei ist. Dadurch ist Alison noch sehr naiv. Sie ist felsenfest entschlossen ihre Realität wiederherzustellen, während Kay seinen Charakter schon geprägt hat und weiß: Es gibt keine Hoffnung mehr.
Da Alison noch frisch dabei ist, kann man beobachten, wie das Spiel sie verändert und auch sie von ihrer festen Entschlossenheit abkommt. Alison weiß jedoch ihre Chancen zu nutzen und so verfestigt sich ein einzigartiger Charakter.
Bei Kay hat die Autorin schön seine Gefühle ausgearbeitet. Denn da er schon länger in der Show ist, weiß er viel mehr als Alison. Doch das darf er ihr nicht sagen. Durch dieses Problem ist er gezwungen zu schweigen, doch da sind noch seine Gefühle... und er ist hin- und hergerissen.
Dann ist da noch das Team der Show "Top the realities." Viel erfährt man nicht und über den Moderator "Wum Randy" bin ich mir noch unklar. Alison kann ihn nicht ausstehen, doch für mich wirkt es eher, als tue er dies, um seinen Job nicht zu verlieren. Sein Charakter kam leider nicht so bei mir.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Die Geschichte war - trotz der kurzen Länge - ausführlich beschrieben und vor allem auch lebendig.
Geschrieben wurde das Buch aus Alisons Sicht in der Ich-Perspektive.

Cover & Titel

Das Cover ist - wie gewohnt für Impress - sehr schön gestaltet. Im Vordergrund ist ein Baum. Ich sehe ihn als den Apfelbaum, der eine sehr wichtige Rolle im Buch spielt, denn dieser soll das Schicksal von Alisons Bruder besiegeln. Auch zu sehen ist die Zeituhr, welche sich von selbst erklärt.
Auch der Titel "Spiel der Vergangenheit" ist passend, da Alison immer weiter zurück reisen muss, um ihr normales Leben zurück zu erlangen.

Zitat

"Ganz so, wie man manchmal glaubt, die Unendlichkeit verstehen zu können, sobald man sie jedoch zu fassen versucht, ist der magische Moment erloschen." Position 2884/2895

Fazit

Die Idee um das Buch finde ich sehr spannend. Wie sich ein kleiner Fehler auf die Zukunft dermaßen auswirken kann. Doch finde ich die Idee kaum umsetzbar. Die Autorin hat sich viel Mühe gegeben, doch wenn man bedenkt, dass es Unendlich viele andere Realitäten gibt, kann auch Alison in Unendlich vielen Realitäten landen. Somit gibt es keinen wirklichen Hauptprotagonisten mehr. Nur noch Varianten.
Da für mich vieles unschlüssig war und sich bis Ende kaum etwas geklärt hat, vergebe ich nur drei Pandas.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen