Mittwoch, 17. Juni 2015

[Rezension] Noah Gordon - Der Medicus

Verlag: Heyne
Seiten: 864 - Taschenbuch
Reihe: Familie Cole, Band 1
Kauf: Kindle - Taschenbuch - Hörbuch Download - Audio CD (Hardcover nur gebraucht erwerbbar)

Inhalt

Der Waisenjunge Rob findet bei einem Bader Schutz und wird sein gelehriger Schüler. Nach dem Tod seines Meisters bricht er nach Persien auf, denn dort, im fernen Isfahan, lehrt Avicenna, der berühmteste aller Ärzte. Rob trotzt mutig den Gefahren seiner weiten Reise, Hunger, Pest und den Überfällen religiöser Fanatiker. Unbeirrt folgt er seiner Berufung als Arzt und Heiler.




Meine Meinung

Allgemein

Nachdem mich schon der Film sehr überzeugt hat, griff ich nach dem Buch und muss sagen: Definitiv nicht dasselbe, aber dadurch nicht minder gut ! Natürlich ist alles viel ausführlicher als im Film und die Gliederung in die verschiedenen Reiseabschnitte haben mir sehr gut gefallen. Insgesamt gibt es in dem Buch sieben Gliederungen von seiner Kindheit und der Baderlehre über seine Reise durch Europa bis hin zu Isfahan und seiner Ausbildung.
Ein Punkt, welcher mir an fast jedem Buch gefällt, ist der Realismus. Rob muss sich vielen Gefahren stellen und nicht immer läuft es wie im Paradies. Er muss viel erleiden um an sein Ziel zu kommen, aber dafür kämpft er und er gibt nicht auf.
Auch das Spiel aus Lüge, Vertrauen, Intrigen und Hoffnung hat mich positiv überzeugt. Da es ein historischer Roman ist, ist auch Rob in das Spiel zwischen Herrschern und Hierarchi eingebunden.
Ernüchternd fand ich jedoch das Ende. Dafür, dass er soviel auf sich genommen hat, landet er an einem Ort, der - meiner Meinung nach - nicht zu ihm passt. Seine Arbeit dort wird gewürdigt und auch gelobt, doch kann ich es mir nicht als seine Wunscherfüllung vorstellen.

Charaktere

In einem so dicken Wälzer fehlt es natürlich auch nicht an Charakteren. Überall auf Robs Reise begegnet er interessanten Menschen.
So startet seine Reise bei dem Bader, welcher ihn als Lehrling aufnimmt. Er geht hart mit Rob um, den in ihm sieht er Potenzial und wünscht sich einen guten Gehilfen. Oft ist er grob und barsch, doch der Autor versteht sich darauf, seinen guten Kern hin und wieder ans Licht zu locken.
Auf seiner Reise begegnet er zudem noch einem Übersetzer, welcher ihn kurz begleitet doch sehr aufrichtig wirkt. Zudem eine Menge an Juden, welche eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen. Zudem lernt er in einer Karawane noch Menschen von Überall kennen. Jeder einzelne von Ihnen hat einen eigenen Charakter, der sehr schön hervorsticht.
Besonder sind allerdings Marie, Mirdin und Karim. Sie begleiten Rob durch schwere Zeiten und passen auf eine angenehme Weise alle zu ihm.
Dazu kommen noch der Oberarzt Ibn Sina und sein Gehilfe al-Juzjani. Diese beiden Figuren sind die einzig historisch belegbaren Figuren. Alle anderen sind fiktional.
Alles in allem sind die Figuren sehr authentisch beschrieben. Ich konnte mich gut in Rob hineinversetzen und mir hat es gefallen, wie der Autor die unterschiedlichen Charaktereigenschaften ausgearbeitet hat.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist sehr detailliert, doch das musste er auch. Eine Menge Informationen erwartet den Leser und somit hat das Buch eine gerechtfertigte Dicke.
Ich konnte mich sehr gut in die Charaktere hinein versetzen und der Schreibstil des Autors lies mich mitfühlen.
Geschrieben ist das Buch hauptsächlich aus der Sicht von Rob J. Cole. Dem Protagonisten. Zum Verständnis hat der Autor hier und da noch Abschnitte aus den Sichten vom Bader, von Mary Cullen, von Karim und von Mirdin einfließen lassen.

Cover & Titel

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, doch das Buch dort beschreibt den Inhalt perfekt. Den das Hauptziel Robs ist es zu lernen. Sein Wissen zu vergrößern und überall wo er ist, eignet er sich neues Wissen an.
Der Titel ist passend, doch eher gen Ende des Buches. Bis dato ist er eher der Bader oder der Medicuslehrling. Da es jedoch Robs Ziel ist Medicus zu werden, habe ich auch gegen den Titel nichts einzuwenden.

Zitat

"Das Leben eines Menschen in der Hand zu halten wie einen Kieselstein. Zu fühlen, wie es einem langsam entglitt, es dennoch durch eigenes Handeln zurückzuholen! Nicht einmal ein König hatte solche Macht." - Seite 203

Fazit

Das Buch ist sehr schön ausgearbeitet und da ich nicht jedes geschichtliche Detail kenne, stören mich auch die Ungenauigkeiten nicht, welche es im Buch gibt. Zudem der Autor auch sagte, es handle sich weniger um einen historischen, als um einen fiktionalen Text.
Die Charaktere sind authentisch, doch ein sehr wichtiger Bestandteil, hat mich nicht überzeugt. Und zwar das Ende. Deshalb gibt es leider einen Abzug. Ansonsten: Top Buch !

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