Freitag, 2. Oktober 2015

[Rezension] J. D. Oswald - Dreamwalker, Der Zauber des Drachenvolkes

Verlag: cbj
Seiten: 416 Seiten
Reihe: Dreamwalker, Band 1 von 4
Kauf: Kindle - Taschenbuch

Inhalt 

Errol Ramsbottom ist wissbegierig, magisch begabt und wünscht sich nichts sehnlicher, als in die Elitetruppe von Gwlad aufgenommen zu werden. Als Inquisitor Melyn ihn tatsächlich auserwählt, geht ein Traum für ihn in Erfüllung – der sich jedoch bald als Albtraum entpuppt … Währenddessen wird der Drache Benfro von seiner Mutter in die Kunst der Magie eingeweiht, nicht ahnend, dass er eine ganz besondere Gabe besitzt – und schon bald die Verantwortung für seine gesamte Spezies tragen wird … Zwei ungleiche Helden, deren Schicksal sich untrennbar miteinander verknüpft, als Melyn zur grauenvollen Jagd auf die Drachen ansetzt!


Meine Meinung

Der Anfang des Buches war altbekannt: Ein Baby wird geboren, wird zum Waisenkind und fristet sein Leben als ganz normale Person, bis ... ja, bis sie etwas besonderes an sich merkt. 
Zurückblickend muss ich sagen, dass es schöner gewesen wäre, die Infos während des Buches zu bekommen, welche man am Anfang liest. So ist die ursprüngliche Herkunft des menschlichen Protagonisten das ganze Buch über klar und logisch, während der Protagonist nicht hinter das Geheimnis kommt. So bleibt die Spannung in der Hinsicht aus. 
Zuerst musste ich mich im Dort der Drachen an die Namen gewöhnen. Viele waren nicht zu unterscheiden. Männlich oder doch eher weiblich? Aber nach wenigen Malen hatte ich mir gemerkt, wer wer ist. Also alles kein Problem! 
Im ersten Viertel passiert allgemein nichts. Die Geschehnisse bauen sich so langsam auf und man bekommt das Gefühl, das sich eine große Intrige entwickelt, die in einem fulminanten Showdown enden wird. Doch darauf habe ich das gesamte Buch leider vergeblich gewartet. Die Geschehnisse sind gut durchdacht und mir gefiel die Verbindung zwischen dem menschlichen und tierischen Protagonisten sehr gut. Doch dazu später. 
Wie schon erwähnt, bauen sich die Ereignisse logisch auf. Doch oft bekommt man die Lösung nach nur wenigen Kapiteln und  die Spannung kann sich somit nicht richtig aufbauen. Jedesmal, wenn ich dachte, dass aus einem Geschehnis etwas ganz großes sich entwickeln könnte, wurde es aufgeklärt und Kapitel für Kapitel drängte sich die Frage in mein Bewusstsein: Was kann am Ende den noch so großes passieren? 
Und schlussendlich wurde meine Frage auch beantwortet: Nichts weltbewegendes! Klar braucht man nicht immer einen großen Kampf mit Toden, Blut und knappen Überleben, doch wenigstens etwas mehr Spannung wäre mir lieb gewesen. Der große Moment, auf den ich das ganze Buch gewartet habe, minimierte sich auf circa fünf Seiten, von denen viereinhalb Gerede war. Mit dem Ende des Buches wurde mir klar, dass der Showdown auf den ich gewartet habe, wohl im zweiten Buch die Haupthandlung sein wird. Leider! 
Auch gefehlt hat mir die optische Vorstellung der Drachen. Sie wurden als flugunfähig beschrieben, da sie kleine, unbrauchbare Flügel haben. Trotzdem sind sie groß, setzen sich aber ganz menschlich auf Bänke etc, Dies schuf in mir ein Bild von dicklichen, kleinen Drachen mit Kuschelgesicht und Stummelflügeln. Bei den Erwachsenen kann man noch ein "alt und gebrechlich" hinzufügen. Nur aus Geschichten der alten Zeit hat man mitbekommen, wie imposant Drachen doch eigentlich sind. 

Doch ich möchte auch noch ein paar positive Aspekte nennen. So gefiel mir zum Beispiel sehr gut, das der Autor an jeden Anfang eines Kapitels einen Auszug aus einem Buch oder einer alten Schrift gesetzt hat. Diese hatte jedesmal Bezug auf den Inhalt des Kapitels und war eine Art Zusatzergänzung. Ich empfand es, als würde ein Charakter im Buch etwas über ein anderes Volk lesen, welches er nur grob kennt und das kleine Wissen, was er besitzt, hat er aus eben diesen Büchern. 
Zudem war das Buch aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und oftmals, wenn diese gewechselt wurde, hörte sie dort auf, wo die andere anfängt. So sinkt zum Beispiel der menschliche Protagonist in den Schlaf, während der tierische gerade aufwacht. Das hinterließ in mir das Gefühl, das das Buch stetig voran geht und schuf eine Verbundenheit zwischen den Charakteren.
Auch merkte man durch verschiedene Phrasen die Verschiedenheiten zwischen Tier und Mensch. So sagen wir Menschen zum Beispiel "gottverdammt", während die Drachen "mondverdammt" rufen. 

Charaktere

Sowohl die menschliche, als auch die tierische Seite wurden von Charakteren recht klein gehalten. Man weiß zwar, das es mehrere gibt, doch viele spielen keine große Rolle. Und das gefiel mir soweit ganz gut. 
Auf der menschlichen Seite ist dort Errol. Das ganze Buch über wirkt er wie ein Junge, der einfach nur seinen Pflichten nachkommt und nicht dumm enden möchte. Also kein großartiger, protziger Held. 
Auch bei Benfro, dem Drachen fiel mir dies auf. Beide haben mit ihren alltäglichen Problemen zu kämpfen und sind eigentlich ganz normal. Beide können sie plötzlich Dinge, von denen sie nicht wissen, wie sie es vollbracht haben. 
Das beide so durchschnittlich sind hat mir gefallen. Den ein Held muss ja nicht immer über sich hinaus wachsen. 
Dann gibt es natürlich noch die Bösewichte. Die, die gerne welche sein wollen und die, die nur aus Unzufriedenheit so sind. Beide Aspekte haben mir sehr gut gefallen.
Beulah, die Königin und Melyn, der Inquisitor haben beide eine dunkle Ader durch sich durchfließen, die mich von Anfang bis Ende überzeugt hat. Man hat gespürt, wie falsch beide spielen und ich wollte die Protagonisten am liebsten warnen. 
Frecknock ist eine Drachin und ihr wurde der Platz als Drachkitz weggenommen - von Benfro. Seitdem ist ihr Leben langweilig, den all die Aufmerksamkeit ist weg. Sie sehnt sich nach Anerkennung und obwohl sie so oft gemein und widerlich zu Benfro ist habe ich Mitgefühl mit ihr. Sie ist noch jung und naiv und begeht somit einige Fehler. 
Insgesamt konnten alle Charaktere mit eigenen Charakterzügen bei mir Punkten. Bei vielen konnte man mehrere Seiten beobachten, was das Lesen für mich sehr attraktiv machen konnte. 

Schreibstil & Sichtweise

Der Inhalt des Buches ist an jeder Stelle, die nur geht, ausgebaut. Viele Dinge werden ausführlich beschrieben und man kann sich gut in die Protagonisten hineinversetzen und hat die Handlungsorte oft bildlich vor Auge. 
Geschrieben wurde aus mehreren Sichten. Im Prolog kann man Einblicke aus den Sichten von Morgum und Father Gideon erhalten. Benfros Mutter und einem alten Freund von ihr. 
Während der Geschichte wechseln die Sichten zwischen der Königin Beulah, dem Inquisitor Melyn, dem Drachen Benfro und dem Menschen Errol. 

Cover & Titel

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, doch es gefällt mir gut. Das Zeichen der Drachen prangt hell im Vordergrund, während der Hintergrund eher düster wirkt. Unten sieht man ein Stück des Waldes, der ein wichtiger Handlungsort ist. 
Der Titel erklärt sich im Verlaufe des Buches und um nicht zu spoilern sag ich nur eins: Er passt!

Zitat 

"Das Problem mit den Menschen - oder das Segensreiche an ihnen - ist, vermute ich mal, dass sie nur so kurz leben." 
- Position 810

Fazit

Das Buch hat eine Menge an Potenzial, doch es konnte mich leider nicht überzeugen. Die Handlungsstränge waren interessant und gut durchdacht, doch an Spannung fehlte es. Zudem konnte der Autor nur ein mickriges Bild von Drachen in mir hervorrufen. 
Die Charaktere waren allesamt sehr schön ausgearbeitet, doch vor allem durch einen fehlenden Showdown, nach einer langgezogenen Vorhandlung vergebe ich nur drei von fünf Pandas. 


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Und hier noch ein kleiner Trailer!




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