Samstag, 26. März 2016

[Rezension] Martha Sophie Marcus - Herrin des Nordens

Verlag: Goldmann
Reihe: /
Seite: 736
Kauf: Kindle - Taschenbuch

Inhalt 

Handelsstadt Haithabu 1047: Die junge Ingunn schwärmt leidenschaftlich für den wenig älteren Torge, der aus England nach Dänemark gekommen ist. Hier beansprucht Torge eine Erbschaft, und hier bereitet er sich auf eine Zukunft als Krieger in Diensten des englischen Königs vor. Torges älterer Bruder Jon hingegen schätzt Verhandlungsgeschick mehr als Kriegslust. Um Torge zu beschützen, und obwohl er sich mittlerweile selbst in Ingunn verliebt hat, kehrt Jon jedoch mit seinem Bruder nach England zurück. Ingunn bleibt in ihrer geliebten Heimat. Und dann überfallen die Norweger Haithabu ...



Meine Meinung

Allgemein

Zuerst hatte ich so einige Startschwierigkeiten mit dem Buch. Der Schreibstil ist dem Inhalt etwas angepasst und vor allem am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man in die Hauptgeschichte reinrutscht, stellt dies kein Problem mehr da und ich konnte einen flüssigen Lesefluss genießen.
Doch nach dem ersten 120 Seiten war ich schon etwas kritisch gestimmt. So gut wie alles, auf das dich der Klappentext vorbereitet, ist schon geschehen und mich wunderte es, was den jetzt noch - nebst Haithabus Untergang - passieren soll. Aber es sollte noch eine Menge geschehen. Beim ersten Kampf noch war ich skeptisch, weil man so gut wie nichts davon mitbekam, doch später im Buch kriegt man viele Denkweisen über Krieg und Strategie noch detailliert mit. Im Allgemeinen erfährt man sehr viel von der damaligen Zeit. Die Rollenverteilung und wie schnell sie sich ändern kann, das Aussehen der Dörfer, die Utensilien die damals benutzt wurden, wie man geschickt Kontakte nutzt, die Bauweisen. Martha Sophie Marcus hat sehr viel Recherche in das Buch fließen lassen und alles detailliert beschrieben. Auf  700 Seiten kann man sich ein wirklich nennenswerten kleines Wissen aneignen.
Auch das Christentum hat eine enorm große Rolle in diesem Buch bekommen, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Denn nicht nur der Kampf war eine große Rolle damals, sondern auch die Intrigen und die Macht der Kirche / des Glaubens. Ohne Rücksichtnahme wurde die Kirche immer wieder in den Vordergrund geschoben. Sie bemächtigten sich immer mehr und haben ganze Familien entzwei gerissen.
Um den Spannungsbogen zu halten, lässt die Autorin sich viel einfallen, was sie vorher natürlich auch gut recherchiert hat. Ziemlich von Beginn an entstehen schon die ersten Fehden, die sich durch das komplette Buch ziehen und somit auch nochmal hier und da Spannung aufbringen.
Das Ende fand ich auch sehr gut gestaltet. Es wurde nochmal über ein paar wenige Seiten eine andere Sichtweise eingefügt, die zeitraffend das endgültige Ende Haithabus beschreibt und soweit bleiben keine Fragen für mich offen.

Charaktere

Das Buch bietet unglaublich ausdrucksstarke Charaktere, die mir wirklich gut gefallen haben. Da das Buch über viele Jahre handelt, altern die Charaktere natürlich mit und somit verändert sich auch der Charakter. Durch Erlebtes beginnen die Charaktere anders zu Denken und zu Handeln und das fand ich sehr authentisch dargestellt. Nicht nur bei den Protagonisten musste ich das feststellen, auch bei Nebenfiguren, die immer mal wieder einen Auftritt bekommen haben, konnte man die ein oder andere Veränderung feststellen.

Schreibstil & Sichtweise

Am Anfang fand ich den Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, da er sich natürlich allein schon der Handlungszeit entsprechend anpassen musste. Hier und da wirft die Autorin Begriffe der damaligen Zeit ein, doch soweit habe ich alle Begrifflichkeiten verstanden oder konnte sie nachschlagen. Viele Namen hat die Autorin allerdings aus der heutigen Zeit übernommen, um den Lesefluss nicht zu stören und die Ausgewogenheit hatte ein schönes Maß.
Geschrieben wurde das Buch aus den Sichten von Ingunn und Jon in der dritten Person. Einer starken Handelsfrau, die ihrem Glauben treu bleibt und einem gerechten Strategen, der jedem Gerecht werden will, ohne seine Ehre zu verlieren.

Cover & Titel 

Das Cover finde ich richtig schön und passend. So bekommt man schon ein kleine Bild für den Kopf von Haithabu.
Auch der Titel ist passend gewählt und bezieht sich einerseits auf Ingunn, die eine enorme Rolle in Haithabu einnimmt, andererseits aber auch auf die "Stadt" Haithabu, welche einen großen Handelspunkt geboten hat und somit auch eine Herrin des Nordens ist.

Zitat

"Ich dachte, die Welt käme mir am Ort meiner Herkunft freundlicher vor. Aber der Krieg ist überall, und meine schlechten Träume sind es auch." 
- Seite 625

Fazit


Ein starker historischer Roman, der überaus gut recherchiert wurde. Dennoch hatte ich einige Startschwierigkeiten und manche Passagen waren mir ein wenig zu langatmig. Trotzdem definitiv empfehlenswert, da es das Wissen um die damalige Zeit ein großes Stück erweitern kann.




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