Mittwoch, 1. Juni 2016

[Rezension] Mehliqa Yigit - Im Reich der Verborgenen, Die Auserwählte

Verlag: Indie
Reihe: Im Reich der Verborgenen, Band 1 von 3
Seiten: 374
Kauf: Kindle - Taschenbuch 

Inhalt

Shahiqa glaubt ihr Glück sei vollkommen, bis sie ihr Bewusstsein verliert und auf der Ebene der Dschinn aufwacht. Ohne jegliche Erinnerung. Auf Geheiß ihres spirituellen Meisters begibt sich Shahiqa mit dem gutaussehenden Abdul, dem Führer der Elitekrieger und Sirius, dem Dschinnjungen, auf die Suche nach ihrer Bestimmung und ihren Erinnerungen, um in ihre eigene Welt zurückfinden zu können. Es bleibt dabei nicht aus, dass sie und Abdul sich näher kommen, wohlwissend, dass einem Dschinn die Todesstrafe droht, wenn er sich auf eine Beziehung mit einem Menschen einlässt …




Meine Meinung

Allgemein

Puh... Dieses Buch hat mich ganz schön in eine Leseflaute gezogen.
Und das liegt eigentlich weniger an der Geschichte oder den Charakteren, sondern fast ganz allein am Schreibstil. Dieser klingt einfach, wie frisch gelernt. Soweit ich das verstanden habe, spielt das Buch in einer relativ aktuellen Zeit. Doch der Schreibstil klingt eher, wie vor ein paar hundert Jahren. Es wird Gebrauch von vielen Wörtern gemacht, die heutzutage nur noch selten benutzt werden, da sie einfach zu hochgedroschen klingen. Soweit ich mitbekommen habe, kommt die Autorin aber auch nicht gebürtlich aus Deutschland, so gesehen ist es wieder eine sehr große Leistung, da in dem Buch sehr vielfältige Beschreibungen vorkommen. Allerdings ändert das nicht, dass ich schlecht durchs Buch gekommen bin.
Die Story war weitesgehend gut. Jedoch brauchte ich sehr lange, um mich an diese Dschinn zu gewöhnen. Man kennt Dschinn normalerweise nur als Wünsche erfüllende Geister, doch hier ist das alles ganz anders. Sie leben auf ihrer eigenen Ebene und führen ein normales Leben. Nur altern tun sie langsamer. Über Dschinn wird nicht oft geschrieben und so war es sehr verwirrend für mich, dann auch noch eine andere Definition über sie zu lesen. Das war nicht stimmig für mich.
Als Person, die in erster Linie alles mögliche an Fatansy liest, brauche ich auch immer viel Spannung. Wenigstens am Ende. Doch eine lange Zeit spielte das Buch erstmal nur im Dorf der Dschinn, wo die Protagonistin Mahliqa das Kämpfen und vieles mehr beigebracht bekommen hat. Dafür, dass sie so lange da war, hat man von der Ausbildung jedoch sehr wenig mitbekommen. Während des Buches erfährt man zum Beispiel auch, dass sie medizinisch unterrichtet wurde, wovon man am Anfang des Buches nichts mitbekommen hat.
Während Mahliqas Reise durchlebt sie einige Tests und Aufgaben. Diese bringen ein wenig Spannung ins Buch und die Ideen dahinter gefallen mir sehr. Vor allem das Ende wirft neue Fragen auf, endet wiederum aber auch nicht in einem Cliffhanger.

Charaktere

In erster Linie geht es um Mahliqa. Sie ist geboren in der menschlichen Welt und erleidet eine Amnesie. Sie wacht auf in der Welt der Dschinn, wo sie herzlich empfangen wird und sie eine lange Zeit lebt. Doch niemand erklärt ihr etwas. Es heißt immer nur, dass sie auf eine Reise gehen muss und dort geprüft wird. Und unsere Protagonistin? Die nimmt das großteils so hin. Sie fragt ein paar Mal, bekommt dann die Antwort, dass jetzt noch nicht die Zeit für Antworten ist und gibt sich damit ab. Und das über eine sehr lange Zeit. Allgemein bekommt man in dem Buch zu wenig Infos aus ihrer Vergangenheit.
Dann gibt es noch Sirius. Die mysteriöse Taube entpuppt sich als kleiner und doch sehr weiser Junge. Doch auch das nimmt ab, im Laufe der Reise. Er schläft immer mehr, mutiert immer mehr zum kleinen Baby, was dauern nach seiner Mama ruft und hilft Mahliqa immer weniger.
Aber dafür sind jetzt die Soldaten da. Diese sind mir immer mehr ans Herz gewachsen. Am Anfang noch zurückhaltend, entpuppen sie sich als richtig freundlich und einzigartig. Vor allem Abdul mag ich sehr. Auch wenn mich etwas verwirrt hat, dass Mahliqa erst Shaheen so nahe ist und jetzt Abdul. Obwohl ja beide Dschinn keine Liebe empfinden können.

Schreibstil & Sichtweise

Wie schon oben erwähnt klingt der Schreibstil sehr altertümlich. Viele Wörter sind nicht mehr so im Gebrauch. An vielen Stellen benutzt die Autorin eine Menge verschiedene Beschreibungen, wodurch man ein gutes Bild bekommt.
Geschrieben wurde das Buch aus der Sicht eines auktorialen Erzählers. Die Sicht hat mich an einigen Stellen öfters verwirrt, da immer mal, über eine lange Zeit, aus der Sicht einer Person geschrieben wurde und dann kurz eine andere Sichtweise eingeworfen wurde. Manchmal habe ich mich gefragt, was wer jetzt von der Situation überhaupt mitbekommt.
Auch gibt es viele Stellen, an denen in einer anderen Sprache gesprochen wird und dahinter die Übersetzung steht. Eine nette Idee, für mich jedoch störend im Lesefluss.
Zeitweise wurde auch die Sicht der Autorin beschrieben, was ich als störend empfand. Ich versinke lieber in der Geschichte, als zwischendurch immer mal wieder vom Autor "gesagt" bekomme: "Das hier ist eine Geschichte und ich schreibe sie gerade." Doch gegen Ende fällt die Sicht fast komplett weg.

Cover & Titel 

Das Cover finde ich richtig schön. Es ist einfach zum wegträumen und passt definitiv zu der Welt der Dschinn. Auf dem Cover sieht man die Protagonistin Mahliqa. Das Buch beginnt an einer Stelle, wo sie mit ihrem weißen Kleid herumirrt. Das Tor symbolisiert für mich den Weg in die menschliche bzw. die Dschinnwelt. Auch die Taube spielt im Buch eine große Rolle.
Der Titel ist ebenfalls stimmig. Man erfährt zwar kaum etwas, über die Rolle der Auserwählten, beziehungsweise, warum sie auserwählt ist, doch es steht schon im Fokus, dass sie Besonders ist. Das Reich der Verborgenen ist das Dschinnreich.

Zitat

"Wissen ist eine gefährliche Sache für den, der noch nicht bereit ist, es zu empfangen." 
- Position 600

Fazit

Eine wirklich schöne Idee, die mich durch den Schreibstil jedoch zurückgeworfen hat. Auch während der Geschichte fand ich einige Dinge fragwürdig und die Spannung ist zwar da, doch nicht so immens, dass ich durchgehend gefesselt gewesen wäre, was vermutlich wieder eher am Schreibstil lag.


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