Dienstag, 26. Juli 2016

[Rezension] Detlef Kowalewski - Zur Hölle, Kohle, Knast & Rock n Roll

Verlag: Edition Steffan
Seiten: 192
Reihe: /
Kauf: Broschiert

Inhalt 

Als Heavy Metal-Musiker und als Konzertveranstalter feierte er Erfolge, badete im Geld. Aber dann wurde er wegen Koks verhaftet. Er fuhr in den Kölner "Klingepütz" ein, lernte einen Top-RAF-Terroristen kennen. Er floh als erster aus diesem Hochsicherheitsgefängnis.
Er tauchte in Amerstam unter, wurde erneut verhaftet, kam in den "sichersten Knast Europas". Auch der war nicht sicher genug für ihn.
Er entkam auf spektakuläre Weise. Er segelte über den Atlantik nach Brasilien, geriet an das Kali-Kartell, wurde erpresst und zu einer Kurierfahrt gezwungen, die schief ging.Festnahme in Brasilien. Er verbrachte daraufhin über drei Jahre in brasilianischen Knästen und erlebte die Hölle auf Erden.

Meine Meinung

Eine berührende und erschreckende Biographie.
Direkt am Anfang steigt der Leser in die Szene der Gefangennahme Kowalewskis ein. Man ist sofort mittendrin und bekommt ein Gefühl für sein ereignisreiches, turbulentes Leben. Nebst der Gefängnisaufenthalte und Fluchten geht es nicht ruhiger im Leben des Ausbruchskönig zu. Denn als leidenschaftlicher Metal-Fan und Musiker ist er immer auf dem Sprung. Es wirkt als könne ihn kaum etwas lange an einen Ort fesseln, immer auf dem Sprung. Mal schreibt er Lieder für seine Band, leitet ein Tattostudio oder eröffnet eine Halle für noch unbekannte Bands und hilft diesen zum Erfolg. Selbst mit Iron Maiden spielte er schon zusammen. Wie es so treffend von auf dem Buchrücken steht: „So spektakulär wie unfassbar.“
Nach dem Einstieg flaut zunächst alles ein wenig ab. Kowalewski wartet auf sein Urteil und der Leser auf seine Geschichte. Denn diese fängt nicht in Brasilien an, sondern in Deutschland. Ab da gab es eine Menge an Sprüngen. Von der Gefangenschaft in Brasilien wurde zunächst auf die deutsche Gefangenschaft gesprungen, dann auf die Zeit mit seiner Band zuvor und von dort auf die Zeit noch vor der Band. Ein Rückblick im Rückblick. Verwirrend fand ich das zwar nicht, dennoch irritierte es zunächst, dass die Biographie Benjamin Button ähnlich ablief.
In erster Linie ging die Geschichte wirklich nur um die Gefängnisaufenthalte und die Fluchten. Gerne hätte ich jedoch noch mehr rund um dieses Leben gelesen. Wie erging es ihm danach? Auch die Bandzeit interessierte mich enorm.
Doch auch ohne diese Lebenspunkte kam ich kaum von dem Buch los. Über Deutschland beschrieb Kowalewski ausführlich über die Pläne, Vorbereitung und den Ausbruch an sich. Dabei merkte man immer wieder, wie viel er dabei in Kauf nimmt. Vor allem in Brasilien. Brasilien hat mich zutiefst geschockt. Viele Wissen, dass es in diesen Ländern oft nicht so gerecht zugeht, wie es sein sollte, doch die wirklich extremen Situationen ließen mich manchmal mit weit aufgerissenen Augen lesen. Einfach die bloße, unzensierte Wahrheit.

Schreibstil

Das Buch wechselt oft im Zeitgeschehen hin und her. Der Ausgangspunkt ist Brasilien. Von dem Punkt wird zunächst die Geschichte rückblickend erzählt und dort wieder angekommen bis zur Freiheit. Manchmal fallen da auch Rechtschreibfehler im Auge, die mich aber nicht störten. Häufen tun sie sich definitiv nicht, nur auffallen.

Cover & Titel

Cover sind nicht das wesentliche einer Biographie, wie ich finde. Dennoch zieht einen dieses an. Man sieht dort den Autoren Detlef Kowalewski. Statur und Aussehen lassen ihn knallhart wirken, doch seine Mimik verrät das er gar nicht so böse tickt. Das viel mehr hinter diesem Mann steckt lernt man im Buch kennen. 
Auch der Titel "Zur Hölle" und der Untertitel "Kohle, Kanst & Rock 'n' Roll" beschreiben das Buch ganz gut und geben das wesentliche wieder. Optisch gefallen mir nur keine roten Schriftzüge. 


Zitat


"Manche Wege verstehen wir erst nach Jahren oder nie."
- Seite 185

Fazit

Eine Biographie, die ich nur empfehlen kann. Sie erzählt ohne große Scheuklappen von dem Leben des Ausbrecherkönigs. Erschreckend echt lernt man von der Welt der Gefängnisse in Europa und Brasilien. Auch für Leser, die in andren Genres unterwegs sind, ein fesselndes Erlebnis.


Vielen Dank an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplares! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen