Mittwoch, 13. Juli 2016

[Rezension] Jennifer Alice Jager - Being Beastly, Der Fluch der Schönheit

Verlag: Carlsen Impress
Reihe: Zweite Adaption der Autorin (Erste: Sinabell)
Seiten: 294
Kauf: Kindle

Inhalt 

Als die schöne Valeria erfährt, wen sie heiraten soll, ist ihr wohlbehütetes Leben auf einen Schlag vorbei. Um den jungen Grafen Westwood ranken sich Schauergeschichten von einem Fluch und ihr neues Heim gleicht eher einer Ruine als einem herrschaftlichen Herrenhaus. Auch Westwood selbst benimmt sich ihr gegenüber mehr wie ein eiskaltes Biest und nicht wie der Mann von Stand, der er eigentlich sein sollte. Doch dann stößt Valeria in einem verstaubten Raum auf magische Windlichter, die jedes für sich ein Geheimnis bergen. Sie zeigen Valeria einen ganz anderen Grafen, voller Freundlichkeit und Güte…


Meine Meinung 

Allgemein

Mein größter Kritikpunkt an der ersten Adaption der Autorin war die Kürze des Buches. Es wirkte alles sehr gehetzt, doch diesmal war die Länge perfekt für die Geschichte.
Das Märchen um die Schöne und das Biest ist weit verbreitet und wird von vielen geliebt.
Am Anfang kam ich zwar sehr rasch in die Geschichte, doch habe ich mich eine lange Zeit gefragt, wann denn das Biest in die Geschichte kommt. Zwar ist schnell klar, wer das Biest ist. Schließlich ist das ein zentraler Punkt des Märchens, doch man lernt nur den Mann kennen, um den es sich dann solange dreht, dass ich mich gefragt habe: Ist nur der schlechte Charakter hier als Biest benannt worden?
Sobald das „Biest“ entlarvt wurde, nahm die Geschichte jedoch richtig an Fahrt auf. Die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Habe ich zugegebenermaßen dann auch nicht. Die Idee mit den Windlichter, die die Erinnerungen des Menschen wegsperren, empfand ich als eine faszinierend und mir neu Idee.
Bei nochmaligem Lesen der Inhaltsangabe des ursprünglichen Märchens, erkennt man einige Parallelen, die natürlich da sein müssen. Doch es gab keinen Moment in dem ich dachte, dass die Adaption zu nahe am Märchen gebaut wäre und nichts eigenes mehr hätte. Im Gegenteil. Alleine der unglaublich lebhafte Schreibstil der Autorin lässt das Buch zu einem einzigartigen Erlebnis werden.

Charakter

Die Charakter empfand ich als sehr gelungen. So konnte für mich die Schöne, wie auch das Biest punkten und auf die „Personenfalle“ bin auch ich hereingefallen. Ein weiterer positiver Punkt, denn die kleinen Geheimnisse, die die Autorin einbaut, sind nicht sofort durchschaubar.
Die Protagonistin Valeria erfährt einen Wandel ihres Charakters. War sie am Anfang zwar ein liebenswertes Mädchen, doch auf Wohlstand fixiert,  so wird sie durch ihren Dickschädel und das Biest umzustimmen, eine reife Frau, die ihrem Herzen folgt und für das einsteht, was ihr wichtig ist. Unwichtig, ob sie dadurch verstoßen wird. 
Valerias Zofe bleibt für mich bis zum Ende etwas wohlstandsgebunden. Sie ist zwar "nur" die Zofe und nicht die Adelige, doch steht sie hinter kaum einer Idee Valerias und unterstützt sie mehr ihres Jobs wegen. Aber ohne solche Charaktere wäre es langweilig. Viele einzigartige Schöpfungen der Autorin. 
Den jungen Graf Westwood konnte in mir verschiedenste Emotionen entlocken. Einerseits weiß man um seine nette Seite, doch manchmal ist er so abweisend und kühl, dass man nur mit Valeria zusammen sauer sein kann.  

Schreibstil und Sichtweise

Der Schreibstil lädt zum Wegträumen ein. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchlesen können, da ich mich auf eine magische Art wegträumen konnte. 
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Valeria in der dritten Person. Durch die Windlichter, die rückblickend das Leben des Grafen abspielten, auch auch seiner Sicht. 

Cover und Titel

Das Cover hat eine wunderschöne Farbe und wirkt sehr verträumt. Auch aus einer anderen, düsteren Sicht könnte man denken. Das der Grad hinunter schaut und das Schöne in all der roten Wut und dem Schmerz sieht. 
Der Titel ist für mich etwas fragwürdig. Bei "Being Beastly" kann ich schmunzelnd sagen: Damit ist nicht immer nur der Prinz gemeint. Auch Valeria kann mit ihrem Dickkopf manchmal ein kleines Biest sein. "Der Fluch der Schönheit" bezieht sich meiner Meinung nach nicht auf Valeria oder ihr Biest, sondern auf die Person, aus Westwoods Kindheit, die als Schönheit beschrieben wird. Dabei lässt der Titel und das Märchen vermuten, dass es auf Valeria bezogen ist, dabei finde ich nicht, dass ihre Schönheit zu einem Fluch (geworden) ist. 

Zitat

"Sie hatte gelernt stets eine Maske aufzusetzen, der Welt und sich selbst etwas vorzuspielen und genau das würde sie nun wieder tun. Sie würde so tun, als hätte sie den Mut und die Kraft diesen Weg zu gehen und diese Lüge würde irgendwann zur Wahrheit werden, so lange sie nur hartnäckig genug war daran festzuhalten." 
- Position 3835

Fazit

Dieses Buch würde ich jedem weiterempfehlen, der eine gute Märchenadaption sucht. Ebenfalls allen anderen, die in dem Genre gerne lesen. Die Autorin versteht sich darauf, ihren Leser wegzuzaubern und fesselt einen regelrecht an die Geschichte. Diesmal war das Buch für mich auch in der Länge stimmig. 



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