Montag, 17. Oktober 2016

[Rezension] Stephen King - Friedhof der Kuscheltiere

Verlag: Heyne
Reihe: /
Seiten: 608
Kauf: Kindle - Taschenbuch - Hörbuch Download - Audio CD

Inhalt

(Vorsicht: Eventueller Spoiler)
Als neuer Universitätsarzt zieht der junge Louis Creeds mit seiner Frau und seinen Kindern nach Ludlow, Maine. Ein wunderbares Haus in herrlicher Landschaft erwartet die Familie. Einziger Haken: Das Haus liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße, und schon bald wird die Katze der Creeds überfahren. Die Beerdigung des geliebten Tierchens auf einem alten, geheimnisvollen Indianerfriedhof bleibt nicht ohne Folgen: Das Tier kehrt lebendig zurück, ein bisschen aggressiv, ein bisschen böse. Dann wird auch noch Louis' Sohn Opfer der Landstraße und der Horror kann beginnen.


Meine Meinung

Allgemein

Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht war von dem Buch. Vor Jahren habe ich es mir mal junges Mädchen wegen des Titels gewünscht und - Gott sei Dank - erst jetzt gelesen. Ich glaube damals wäre ich nicht so einfach damit umgegangen. Dies war mein erstes Stephen King und prinzipiell lese ich nie Horror. Wirklich nie. Nun habe ich mich wegen einer Lesechallenge mal rangewagt.
Das ganze Buch über habe ich auf etwas gewartet. Schon im Vorspann erklärt der Autor, dass er selbst von sich geschockt war, als er das Buch beendet hat und das es wohl sein schlimmstes Werk war. Nach Beendigung des Buches glaube ich, dass dies auf die Thematik bezogen war und nicht auf den Horrofaktor.
Auf den Horrorfaktor, den ich erwartet, aber nicht bekommen habe. Die ersten dreihundert bis vierhundert Seiten passierte nämlich erstmal so gut wie gar nichts. Es wird eine Menge über das Leben des Protagonisten Luis Creed erzählt und über seine Gedankenwelt. Man kann sich drüber streiten, ob das nun jetzt notwendiges Gerede ist, oder eben nicht. Vieles war meiner Ansicht nach auf 600 Seiten nicht nötig und hat das Buch nur in die Länge gezogen. Gerade auf den ersten 400 Seiten habe ich nach irgendetwas spannendem gesucht, irgendwas, was es wert ist, weiterzulesen.
Sehr fragwürdig fand ich die Art des Autors, die Tode zu beschreiben. Denn oftmals lies er schon vorweg Sätze in die Geschichte einfließen, wie beispielsweise: "Er wusste noch nicht, dass dies sein letzter glücklicher Tag mit XY werden sollte, bevor ..." (Nicht wortwörtlich zitiert). Und das nahm einfach die Spannung aus der Sache. Man wusste schon vorher, wer wann seinen Tod findet und somit war ich überhaupt nicht mehr überrascht. Selbst die Todesart an sich beschrieb der Autor nur dürr. Nicht, dass ich scharf gewesen wäre auf detaillierte Beschreibungen, aber spannend war es keinesfalls, geschweige denn Horror.
Das Ende war dann aber definitiv packend. Nun wird aus der Sicht von drei Personen geschrieben, welche an drei verschiedenen Orten verweilen. Man spürt die Panik eines Jeden und wie das Schicksal unaufhörlich vorantreibt. Man spürt die Macht des Ortes. Des Friedhofs, des richtigen. Doch erneut ist es einfach eben einfach nur spannend. Mehr ein Krimi, als Horror. Klar, was passiert ist absolut schaurig, aber die Beschreibung Kings lies mich keinen Horror verspüren. Einfach nur stinknormale Spannung. 
Auch der Epilog lies mich absolut unzufrieden zurück. Er endet in einem Cliffhanger, doch das ist gar nicht mein Problem. Der Leser darf sich hier nun selbst ausmalen, wie es mit den Erwachsenen weitergeht, doch was ich wissen wollte, war das Kind. Die Tochter Elli. Sie ist sieben Jahre alt und durch ihre neue Schule wird sie auf das unumstößliche Thema Tod gebracht. Ihr Vater erklärt ihr den Tod und das der Tod ganz natürlich ist und sie muss lernen damit umzugehen und ihren Weg zu finden. Sie personifiziert den Tod in diesem Buch für mich, da hier ein kindlicher Gedanken zwischen "Den Tod kann man verhindern" und "Der Tod ist unumgänglich" beschrieben wird. Der Prozess die Wahrheit zu akzeptieren, was der Vater im Nachhinein nicht konnte. Sie bekommt auch gegen Ende des Buches noch einmal eine ganz wichtige Rolle, doch am Ende des Buches ist sie einfach weg. Puff und niemand weiß, wie es mit ihr weitergeht.

Charakter

Der Autor hat handels- und willensstarke Charaktere gezaubert. Alle haben sie mit dem Tod zu ringen. Der alte Nachbar Jud kennt die Geheimnisse des alten Micmac-Friedhofes. Luis Creed ist selbst Arzt und mit dem Tod konfrontiert. Für ihn eine ganz normale Sache. Rachel hat den Tod schon früh in ihrer Kindheit erlebt und ein Traume davongetragen und die kleine Elli muss erst noch lernen, was der Tod überhaupt ist.
Während des Buches erlebt jeder seine Entwicklung. Wer glaubte mit dem Tod klar zu kommen, wird auf einmal verrückt. Wer glaubte die alten Wunden heilen nicht, findet seinen Weg damit umzugehen.
Ich konnte die Beweggründe und Handlungen der Charaktere komplett nachvollziehen und durfte eine eigentlich ganz normale Familie kennen lernen.

Schreibstil & Sichtweise

An den Schreibstil musste ich mich zuerst gewöhnen. Die Sätze sind kurz gehalten, geben nur das Wichtigste preis. Bei spannenden Situationen war das ein hilfreicher Stil, der noch weiter pusht, doch bei den normalen Situationen, die überwogen, fand ich es hinderlich. Oftmals unpassend.
Geschrieben wurde das Buch die meiste Zeit aus der Sicht von Luis Creed in der dritten Person. Im Finale wurden dann die Sichten gewechselt zwischen ihm, Nachbar Jud und Ehefrau Rachel.

Cover & Titel

Das Cover zeigt eine schwarze Katze mit leuchtenden Augen und soll damit wohl ein wenig zombiehaft und gruselig aussehen. Warum der Hintergrund grell weiß gestaltet ist, bleibt mir unklar. Das Buch sagt aus, dass nichts gutes im Zusammenhang mit Wiedererweckung steht und weiß ist ja eine Farbe der Reinheit. Doch wer vom Friedhof wiederkehrt ist alles andere als rein... Ebenfalls die Protagonisten scheinen nicht im reinen mit sich zu sein.
Der englische Titel heißt "Pet Sematary" und so schlecht wie viele sagen, finde ich ihn gar nicht übersetzt. "Cemetery" oder hier "Sematary" ist übersetzt Friedhof und "Pet" ist eben das Haustier. Viele Kinder sehen ihre Haustiere meiner Meinung nach als Kuscheltiere an und deshalb finde ich die Übersetzung so okay. In Hinblick auf das Ende des Buches bin ich aber zwiegespalten. Einerseits geht es weniger darum Tiere zu begraben, andererseits ist "Tierfriedhof" für mich eher ein Deckname, damit nicht jeder auf das wohlbehütete Geheimnis stößt.

Zitat

"Die Uhr läuft ab - mehr kann ich dazu nicht sagen. Es gibt keine Garantien, Süße."
- Seite 72

Fazit

Ich habe von diesem Buch sehr viel erwartet. Spannung, Horror, eben alles was fehlte. Ein Horrorbuch war es für mich nur von der Thematik her, aber definitiv nicht vom geschriebenen. Zudem waren es einfach viel zu viele Seiten, dafür dass auf den ersten 300-400 nicht wirklich etwas geschieht. Das Ende war zwar sehr spannend, doch lässt mich unzufrieden zurück und macht auch keine 400 Seiten an Null-Spannung wett.


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